Kulturreisen
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5. Auf dem Pilgerweg


...wo wir Ruhe finden vor dem Sturm des Lebens.
(Augustinus)


Es ist beschwerlich, für Körper und Geist. Warum tut man so etwas? Pilgern ist populär geworden, vor allem in Europa, und nicht erst seit Hape Kerkeling mit seinem "Ich bin dann mal weg" einen Bestseller gelandet hat. In sechs Wochen ist er nach Santiago de Compostela marschiert, auf der Suche nach Entspannung, Gott und natürlich auch: sich selbst. (Wie übrigens vor ihm schon Shirley Maclaine, die in "Der Jakobsweg: Eine spirituelle Reise" ebenfalls ihre Erfahrungen publiziert hat).

Seither zieht es immer mehr Menschen auf den camino, teils aus spirituellen, teils aber auch aus sportlichen Gründen. Der Kinofilm "Die große Stille" berührt offenbar ähnliche Seiten im Publikum. Die Dokumentation über das Leben und Schweigen der Mönche erzielte überraschend einen großen Erolg.

Video. Philip Gröning, Die große Stille (2005)


Welche Pilgerwege gibt es in Europa? Was macht sie so beliebt?

Auf dem spanischen Jakobsweg ist es mittlerweile ziemlich voll geworden. Bis in die 70er Jahre hinein ein Geheimtip unter Gläubigen zieht er nach dem Bucherfolg "Auf dem Jakobsweg. Tagebuch einer Pilgerreise nach Santiago de Compostela" (1987) des Brasilianers Paulo Coelho zunehmend Publikum an. Der Ich-Erzähler berichtet hier von den Prüfungen, Gefahren und Verführungen des Weges, die seinen Glauben und den Zweck der Reise auf die Probe stellen. So gilt das Buch als esoterische Reinterpretation der Pilgerreise im Stil der "New-Age-Bewegung", wie sie zu dieser Zeit populär war.

Über die Geschichte des Pilgerwegs nach Santiago wissen die Pilger oft wenig. Dabei hat er nicht nur eine lange Tradition, sondern ist mit seinem über ganz Europa verzweigten Streckennetz ein genuin europäisches Phänomen. Die Wundertaten des heiligen Jakobus kennt man aus einer Reihe mündlicher und schriftlicher Überlieferungen, den Pilger, Apostel und Matamoros aus zahlreichen Abbildungen. Auch in Lateinamerika ist er sehr beliebt, auch wenn er bei der Eroberung Amerikas als Schlachtenhelfer im Kampf gegen die Eingeborenen verehrt wurde. In diesem Zusammenhang lesenswert: das fünfte Kapitel des Liber Sancti Jacobi - ein "Pilgerführer von Santiago" der anderen Art.



Via Francigena

Das Gegenstück zum Jakobsweg ist die Via Francigena (auch: Frankenstraße), die im Mittelalter eine wichtige Funktion für die Kommunikation in Europa hatte. Von England nach Rom verläuft sie über Canterbury, Calais, Reims, überquert beim Bernardino-Pass die Alpen und führt über Vercelli, Pavia, Lucca, San Gimignano, Siena und Viterbo schließlich nach Rom, genauer zum Grab des Petrus. Eigentlich ist sie der Weg der Wege, aber touristisch lange nicht so gut erschlossen wie der Jakobsweg. Mit dem Fahrrad ist die Strecke allerdings recht gut zu bewältigen.


Video. Roberto Santiago, Al final del camino (2009)


Der "Weg der Könige"

Von Mailand nach Köln führt der "Weg der Könige", die Schutzheiligen der Reisenden und eines intelligenten Tourismus. Der Streckenverlauf geht auf historische Quellen und einige Indizien zurück, die darauf deuten, dass die Heiligen Drei Könige bis zur Basilika von Sant'Eustorgio in Mailand gelangt seien. Von hier aus habe Rainald von Dassel, der Erzbischof von Köln, 1164 die Gebeine der Könige nach Köln bringen lassen. Und zwar dorthin, wo heute der Dom steht. Auch hierzu ein Buchtipp: Madeleine Félix hat mit "Le livre des rois mages" (2000, ital. Ausgabe, "I re magi", 2001), das leider nicht auf Deutsch erhältlich ist, den Bürgermeister von Mailand und den Pfarrer von Sant'Eustorgio dazu gebracht, die Angelegenheit näher zu untersuchen. Die Strecke ist sehr interessant, erklärt Sergio Daneluzzi, der Tourismusverantwortliche der Stadt Mailand, sie führt nicht über die Schweiz, sondern über Frankreich ins Rheinland. Von Mailand durch das Piemont, bis zum Pass von Montgenèvre (den wahrscheinlich auch Hannibal benutzt hat), dann über Lyon, Besançon, an einigen Elsässer Klöstern vorbei bis ins Rheintal mit seinen Burgen, durch Mainz, Koblenz nach Köln.


Was ist eigentlich so spannend am Pilgern? Monsignor Buzzi, Präfekt der Ambrosiana in Mailand und renommierter Theologe und Germanist, erklärt uns, weshalb auch viele Laien neuerdings auf Pilgerschaft gehen: "Das Pilgern als das Unterwegssein schlechthin ist eine Grundeigenschaft des Menschen: Wir sind auf dem Weg". So verspricht es einem mit jedem Schritt wertvolle Erfahrungen über das Leben und sich selbst. "Jede Ankunft ist zugleich der Beginn eines neuen Weges, beim Pilgern erleben wir unsere ganz persönliche Lebensreise."


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Nèo
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