

Eine Besteigung des höchsten Berges der Welt ist kein Spaziergang. Als Sir George Everest Mitte des 19. Jahrhunderts begann, den Berg zu vermessen – denn alleine das war eine enorm schwierige Aufgabe –, konnte er nicht sicher sein, ob jemals ein Mensch den Gipfel erreichen würde. Aber seitdem ist einige Zeit vergangen. In den Zwanziger Jahren wurden mehrere Besteigungsversuche gestartet, die jedoch scheiterten und nicht selten tödlich endeten. Erst 1953 gelang Edmund Hillary und Tenzing Norgay der erste Durchmarsch zum Gipfel.
Video. Auf dem Dach der Welt
Mit der Besteigung des Mount Everest waren plötzlich keine Herausforderungen mehr da. Auch wenn seither viele den Berg erklommen haben, keiner erinnert sich mehr an sie – so wie Buzz Aldrin, der nach Neil Armstrong aus der Apollo 11 stieg, immer im Schatten seines Vorgänger stehen wird. Einer allerdings macht dennoch von sich reden: Reinhold Messner. Gemeinsam mit Peter Habeler erreichte er 1978 den Gipfel des Mount Everest erstmals ohne Sauerstoffgerät. Im folgenden Jahr bestieg er den Berg als erster Mann alleine, ohne Sauerstoff und über die Nordwand, die einen noch schwierigeren Aufstieg bietet.
Video. Messner und Habeler im Gespräch
Mit den Jahren sind weitere Rekorde dazugekommen: der Sherpa Apa mit den meisten Aufstiegen (20 in 20 Jahren) oder der jüngste Everest-Bezwinger, Jordan Romero, mit dreizehn Jahren. Aber warum das alles? Was hat Apa davon, wenn er jedes Jahr wieder hinauf steigt? Ist das immer wieder dasselbe Gefühl? Und kann ein Dreizehnjähriger ermessen, was es heißt, auf den Mount Everest gestiegen zu sein? Alleine ist das ohnehin nicht zu schaffen, er braucht ein Sauerstoffgerät und Sherpas, die ihm den Weg zeigen. Er sei also gar nicht aus eigener Kraft so weit gekommen, sagen manche, man hat ihn hinaufgeschleppt. So geht es auch vielen Touristen, die nun unbedingt diesen Berg in ihrer Sammlung haben wollen – um ihn einfach abzuhaken.
Es gibt mittlerweile eine Reihe Agenturen, die Trekking-Touren zum Mount Everest anbieten. Die meisten Touristen schaffen es nur bis zum Basislager auf 5.300 Metern, wenige erreichen den Island Peak auf 6.198. Über 8.000 Metern beginnt die sogenannte death zone. Denn der höchste Berg der Welt fordert regelmäßig seine Opfer. Dennoch: im Jahr 2004 habe über 300 Menschen den Gipfel erreicht und Reinhold Messner hat durchaus Grund zu seiner Befürchtung, die Berge würden langsam zu einer Art Disneyland. Manchmal muss man sogar anstehen, um auf den Hillary Step zu steigen, jenen Felsen, der nach seinem ersten „Eroberer“ benannt ist.
Die Berge brauchen unsere Hilfe, wird Reinhold Messner nicht müde zu wiederholen. Darum müsse der Zugang zum Mount Everest beschränkt werden, auch um der enormen Umweltverschmutzung in der Gegend Einhalt zu gebieten. Viele Touristen werfen die leeren Sauerstoffflaschen und jede Menge anderen Müll einfach in die Schluchten. Wer also nur wegen der Aussicht auf den Mount Everest steigen will, soll sich das doch lieber auf Discovery Channel anschauen (dsc.discovery.com/convergence/everest/interactive/interactive.html). Die Tibeter nennen den Berg "Mutter des Universums" und mit dem gleichen Respekt spricht Peter Habeler vom höchsten Berg der Welt: "Ich habe den Everest nicht erobert. Er hat mich einfach nur ertragen."
Video. For ever everest